Wissen & Aufklärung
Mieterstromanbieter im Vergleich 2026
Mieterstromanbieter im Vergleich: Welches Modell passt zu Ihrem Mehrfamilienhaus? Ein Überblick über Anbieter, Modelle und Zielgruppen.
Camila Blajos Razuk
5 Minuten

Die Wahl des passenden Mieterstromdienstleisters für ein Mehrfamilienhaus ist komplex. Ob Eigenbetrieb, Lieferkettenmodell oder Contracting: Am Markt treffen unterschiedliche Ansätze und spezialisierte Anbieter aufeinander. Während ein Dienstleister die komplette Umsetzung inklusive PV-Anlage übernimmt, fokussiert sich ein anderer rein auf Messtechnik und Abrechnung, während ein dritter selbst als Stromlieferant auftritt. Die Grenzen verlaufen oft fließend, da manche Anbieter mehrere Modelle kombinieren oder gezielt Nischen besetzen.
Für Eigentümer und WEGs heißt das: Es gibt für nahezu jede Immobilie eine passende Lösung. Dieser Vergleich verschafft einen klaren Überblick über die wichtigsten Mieterstromanbieter in Deutschland, ihre Spezialisierungen und Zielgruppen. Mit einem Mieterstrom-Check kann man zudem schon einen ersten Eindruck gewinnen, welches Modell zum eigenen Objekt passt.
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Die wichtigsten Mieterstrommodelle im Überblick
Um die Anbieter im Vergleich richtig einordnen zu können, hilft ein kurzer Blick auf die grundlegenden Betreibermodelle. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wer welche Rolle übernimmt: Von der Investition in die PV-Anlage bis zur Stromlieferung an die Mieter.
Mieterstrom im Eigenbetrieb
Der Immobilieneigentümer oder die WEG investiert in die PV-Anlage, betreibt sie selbst und verkauft den Strom an die Mieter. Der Mieterstromdienstleister unterstützt diesen Prozess von der Wirtschaftlichkeitsrechnung und Messtechnik bis zur Abrechnung und dem Zahlungsmanagement im Betrieb. Dabei agiert der Dienstleister meist gemeinsam mit einem Installationspartner. Anlagenbetreiber und Mieterstromanbieter bleibt dabei der Eigentümer selbst, der Dienstleister unterstützt operativ. Vorteil: Der Eigentümer erhält so die höchste Rendite, trägt dafür aber auch die Verantwortung für den Vertragsabschluss mit den Mietern und das Risiko bei Zahlungsausfällen.
Lieferkettenmodell
Der Eigentümer bleibt Besitzer der PV-Anlage, verkauft den erzeugten Strom aber an einen externen Anbieter. Dieser tritt gegenüber den Mietern als Stromlieferant auf und übernimmt die Reststrombeschaffung sowie Abrechnung. Der Eigentümer selbst wird nicht zum Mieterstromanbieter, erhält dafür aber nur geringe Renditen.
Contracting bzw. Pachtmodell
Ein externer Anbieter pachtet das Dach und finanziert, baut und betreibt die Anlage vollständig selbst. Für den Eigentümer entfallen nahezu jegliche Investitionen und Risiken, im Gegenzug bleibt es bei sehr geringen Pachteinnahmen.
Teilversorgung
Bei diesen Sondermodellen wird ausschließlich der PV-Strom an die Bewohner verteilt. Der Eigentümer muss keinen Reststrom einkaufen und die Mieter behalten ihren bestehenden Stromanbieter. Bei der Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung (GGV) erfolgt die Verteilung rein softwarebasiert über digitale Zähler (iMSys) und den Messstellenbetreiber. Beim hardwarebasierten Ergänzungsstrom erfolgt die Verteilung physisch über zusätzliche Steuerungselektronik. Beide Ansätze reduzieren zwar die vertragliche Komplexität, bringen jedoch wirtschaftliche Nachteile mit sich: Durch zusätzliche Hardware- oder Smart-Meter-Gebühren steigen die Fixkosten, während gleichzeitig der gesetzliche Mieterstromzuschlag entfällt und der Netzentgelt-Grundpreis weiterhin für jede einzelne Wohnung anfällt.
Vergleichstabelle
Anbieter | Modell | Zielgruppe | Anlagenbetreiber | Mieterstromanbieter | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|
Dach für Dach | Mieterstrom im Eigenbetrieb | ab 3 Wohneinheiten, private Vermieter, WEGs | meist Eigentümer selbst | meist Eigentümer selbst | Objektspezifisches Messkonzept (pSZ, vSZ, GGV), wirtschaftlich ab 3 Wohneinheiten |
Einhundert Energie | Contracting/Pacht | Wohnungsunternehmen | Einhundert | Einhundert Energie | Eigene Investmentgesellschaft zur PV-Finanzierung und eigenen Messtellenbetrieb |
EnBW immo+ | Lieferkettenmodell | Wohnungswirtschaft | Eigentümer | EnBW | Full-Service innerhalb der Lieferkette, EnBW wird Mieterstromanbieter |
Metergrid | Mieterstrom im Eigenbetrieb | Wohnungswirtschaft, WEGs | Eigentümer o. Dritter | Eigentümer o. Dritter | Wirtschaftlichkeit bei kleinen Projekten in der Praxis eingeschränkt |
Pionierkraft | Ergänzungsstrom | WEGs | Eigentümer | kein Mieterstrom | zusätzliche Hardware, kein Mieterstromzuschlag, Mieter behalten eignen Stromanbieter |
Polarstern | Contracting/ Lieferkette (Enabling) | Wohnungsunternehmen | Polarstern (Contracting) bzw. Eigentümer (Lieferkette/Enabling) | Polarstern | Kombinierbar mit Wärme-Contracting |
Solarize | Abrechnungsdienstleistung (SaaS) | Wohnungsunternehmen, Stadtwerke | Eigentümer o. Dritter | Eigentümer o. Dritter | SAP-Partner, Integration in Schleupen, Wilken, Powercloud |
Dach für Dach
Der Mieterstrompartner für Mehrfamilienhäuser im Privatbesitz ermöglicht Eigentümern den Stromverkauf direkt an ihre Mieter. Dabei wird objektspezifisch das passende Messkonzept umgesetzt: Vom physischen oder virtuellen Summenzähler bis zur GGV. Je nach Bedarf liefert Dach für Dach Messtechnik und digitale Abrechnung oder übernimmt zusammen mit Partnern die Installation von PV-Anlage als Full-Service-Paket. Im Fokus steht dabei die wirtschaftliche Umsetzung bereits ab drei Wohneinheiten. Das EnBW-Startup ermöglicht Vermietern, Mieterstrom im Eigenbetrieb mit hohen Renditen umzusetzen. Dafür bleibt der Eigentümer in der Verantwortung die Stromverträge mit den Mietern zu schließen.
Einhundert Energie
Anbieter im klassischen Contracting-Modell für mittlere bis große Mehrfamilienhäuser der Wohnungswirtschaft. Einhundert pachtet das Dach, finanziert die Anlage über eine eigene Investmentgesellschaft und übernimmt Bau, Betrieb sowie die komplette Mieterstromabwicklung inklusive digitaler Zählertechnik. Eigentümer investieren nicht selbst, erhalten dafür aber eine feste Pachteinnahme statt einer Beteiligung am laufenden Mieterstromertrag. Einhundert liefert maximale Bequemlichkeit ohne Kapitaleinsatz des Immobilieneigentümers, dafür entfällt der Großteil der laufenden Rendite zugunsten einer im Vergleich sehr überschaubaren Pachtzahlung.
EnBW immo+
Die EnBW Energie Baden-Württemberg AG bietet mit EnBW immo+ das Lieferkettenmodell für die Wohnungswirtschaft an: Der Eigentümer investiert in die PV-Anlage, EnBW kauft den erzeugten Strom ab und tritt selbst als Mieterstromanbieter gegenüber den Bewohnern auf, inklusive Reststrombeschaffung, Tarifgestaltung und Abrechnung. Eigentümer haben keinen Aufwand mit der Vertragsgestaltung mit den Mietern, da EnBW ihr einziger Stromabnehmer ist. Kaum Risiko und Aufwand für Eigentümer, dafür geringere Renditen als bei Mieterstrom im Eigenbetrieb.
Metergrid
Abrechnungsdienstleister für mittlere und große Mehrfamilienhäuser: Die Abrechnungssoftware liefert einen stark digitalisierten Prozess, von automatisierter Wirtschaftlichkeitsberechnung bis zur digitalen Mieterakquise. Dabei liegt der Schwerpunkt des Dienstleistungsangebots in der Praxis vor allem auf Portfolios und Wohnungsgenossenschaften für die sie Mieterstrom im Eigenbetrieb ermöglichen. Die stark standardisierten, digitale Prozesse laufen auf einer moderne Plattform, wodurch die individuelle Betreuung an Grenzen stoßen kann.
Pionierkraft
Hardwarebasierter Sonderfall für WEGs, die keinen gemeinsamen Reststrombezug möchten: Statt eines klassischen Mieterstromvertrags verteilt eine Box am Zählerschrank PV-Strom direkt an teilnehmende Einheiten, während Mieter ihren bestehenden Stromanbieter behalten. Diese Ergänzungsstromversorgung umgeht den gemeinsamen Reststromvertrag und eignet sich deshalb besonders, wenn sich eine WEG nicht auf ein gemeinsames Mieterstrommodell oder Reststromtarif einigen kann. Durch die benötigte Zusatzhardware pro Mietpartei und den strukturellen Verzicht auf den gesetzlichen Mieterstromzuschlag meist finanziell weniger attraktiv als klassische Mieterstrommodelle.
Polarstern
Anbieter mit zwei Modellen für Mehrfamilienhäuser und Quartiere: Beim Contracting übernimmt Polarstern Planung, Finanzierung, Bau und Betrieb der Anlage vollständig; beim Lieferkettenmodell (von Polarstern selbst „Enabling“ genannt) kauft Polarstern dem Eigentümer den erzeugten Strom ab, während dieser Anlagenbesitzer bleibt. Größere Quartiersprojekte lassen sich zusätzlich mit Wärme-Contracting (z. B. BHKW) kombinieren. Beide Modelle liefern moderate Renditen und liefern dafür Bequemlichkeit, allerdings erst ab größeren Gebäude-Einheiten oder Quartieren, wodurch kleinere Mehrfamilienhäuser durch das Raster fallen.
Solarize
Cloudbasierte Abrechnungssoftware (SaaS) ohne eigene PV-Umsetzung, ausgelegt auf große Immobilienkonzerne und Stadtwerke. Integriert sich in gängige ERP-Systeme wie SAP, Schleupen, Wilken und Powercloud und richtet sich laut eigener Positionierung an Energieversorger, Contractoren und institutionelle Immobilienunternehmen, nicht an einzelne private Eigentümer. Reine Softwarelösung ohne operative Unterstützung vor Ort – Hardware, Zählermontage und die Schnittstelle zu den Mietern müssen vollständig in Eigenregie gestemmt werden.
Fazit
Es gibt nicht den einen besten Mieterstromanbieter, sondern für unterschiedliche Objekte und Ausgangslagen unterschiedlich passende Lösungen. Wem als Eigentümer eine hohe Rendite wichtig ist, fährt mit Mieterstrom im Eigenbetrieb am wirtschaftlichsten. Wer auf Rendite verzichten kann, nicht selbst investieren möchte, aber dafür über ein großes Gebäude oder Portfolio verfügt, für den ist Contracting oft das sinnvollere Modell. Wer ein kleines bis mittleres Mehrfamilienhaus betreibt, findet bei den auf diese Größenordnung spezialisierten Anbietern in der Regel eine passendere Betreuung als bei Anbietern, deren Erfahrung vor allem bei großen Portfolios liegt, und umgekehrt.
Welches Modell und welcher Anbieter am Ende passt, hängt also nicht nur vom konkreten Objekt sondern auch den Wünschen den Immobilienbesitzers ab: der Größe, Renditewunsch, Investitionsbereitschaft und dem Grad an Eigenbeteiligung. Ein objektspezifischer Mieterstrom-Check gibt dazu meist die verlässlichste Antwort.
FAQ – Häufige Fragen rund um Energy Sharing 2026
Geschrieben von
Camila Blajos Razuk
Redaktion Dach für Dach
Häufige Fragen
Was ist Mieterstrom?
Beim Mieterstrom wird Solarstrom vom Dach eines Mehrfamilienhauses direkt an die Mieterinnen und Mieter im selben Gebäude verkauft, ohne den Umweg über das öffentliche Stromnetz. Reicht der Solarstrom nicht aus, wird automatisch Strom aus dem Netz nachgeliefert. Die Stromversorgung ist also jederzeit gesichert.
Wie verläuft der Prozess mit Dach für Dach?
Zum Start berechnen wir das Renditepotenzial Ihrer Immobilie und legen gemeinsam einen Zeitplan fest. Danach informieren Sie als Vermieter die Mietparteien, dafür stellen wir Informationsmaterial bereit und unterstützen auf Wunsch bei der Mieterkommunikation. Anschließend installiert ein Fachbetrieb die Anlage, bei der Auswahl helfen wir gerne.
Wie überzeuge ich meine Mieter?
Mieter profitieren von niedrigeren Strompreisen, weil sie Netzentgelte sparen und günstigen Solarstrom vom eigenen Dach nutzen. Ihre Stromkosten sinken um bis zu 30 %. Außerdem werden sie unabhängiger vom Strommarkt. Dach für Dach unterstützt Sie mit Informationsmaterial und auf Wunsch aktiv im Gespräch mit Ihren Mietparteien.
Was passiert bei einem Mieterwechsel?
Sobald eine Mietpartei auszieht, endet automatisch ihre Teilnahme am Mieterstrom. Neue Mieter können dem Modell beitreten. Wir empfehlen, neue Mieter frühzeitig über die Möglichkeit der Versorgung durch die Solaranlage des Hauses zu informieren, damit sie ab dem Einzug versorgt werden können.
Wer kümmert sich um Planung und Installation der Solaranlage?
Sie wählen selbst den Fachbetrieb aus, der die Anlage plant und installiert. Dach für Dach unterstützt bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung verschiedener Anlagengrößen und bringt Sie auf Wunsch mit einem unserer Partnerbetriebe zusammen.
Wie läuft der Betrieb der Solaranlage?
Im Betrieb unterstützen Sie unser Team und die Dach-für-Dach-Software. Sie liefert aktuelle Verbrauchs- und Erzeugungsdaten der einzelnen Wohneinheiten und übernimmt die Abrechnung der Stromkosten. Die Wartung der Anlage übernimmt der Fachpartner, der sie installiert hat.
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